Liebe Genossinnen und Genossen,
liebe Leserinnen und Leser,
die achte Ausgabe der »Hammel & Sittich« ist – stärker als die vorigen – eine internationale Ausgabe geworden. Das war nicht unbedingt geplant, aber ein Zufall ist es auch nicht. Wir bemühen uns seit geraumer Zeit um verschiedene Formen des Austauschs und der Korrespondenz mit Gleichgesinnten oder Interessierten über den deutschsprachigen Raum hinaus. Das schlägt sich nicht zuletzt in Texten nieder, die dabei entstehen – und ein paar davon veröffentlichen wir hier zur Lektüre.
Zuerst dokumentieren wir einen internationalen Spenden- und Unterstützungsaufruf für das Projekt Baladi – Palestine Animal Rescue Team in der Westbank in Palästina, den wir gemeinsam mit Genossinnen und Genossen unter anderem aus Italien und England lanciert haben. Baladi, dessen Arbeit wir in einem Interview für Ausgabe Nr. 4 im Dezember 2023 bereits vorgestellt haben, muss seine Arbeit derzeit unter dramatisch verschlechterten Bedingungen fortsetzen. Während Gaza durch Israels Genozid nahezu vollkommen vernichtet wurde, häufen sich im Westjordanland gegenwärtig die Übergriffe der Besatzungsarmee und Siedler auf Palästinenser, auf ihre Ländereien und auch auf Tiere. Als Zeichen der internationalen Solidarität rufen wir daher zur finanziellen und politischen Unterstützung auf und fordern Gleichgesinnte auf, sich zu beteiligen. Der Spendenaufruf kann und soll in diesem Sinne gerne verbreitet werden.
Zudem dokumentieren wir ein überaus interessantes Dokument aus UK. Dort gelang es Genossinnen und Genossen, die in der Ortsgruppe Greater Manchester Mental Health der Gewerkschaft UNISON mitarbeiten, die Mehrheit für einen dezidiert antispeziesistischen Antrag zu gewinnen: Er verpflichtet den Ortsverband unter anderem dazu, Bemühungen für die Zusammenarbeit der Gewerkschaftsbewegung mit der Tierbefreiungsbewegung zu unterstützen und die Mitglieder bei Versammlungen und Veranstaltungen komplett mit veganer Verpflegung zu versorgen. Wie ist so ein Erfolg möglich, der im deutschsprachigen Raum schier undenkbar scheint? In dieser Ausgabe dokumentieren wir eine Übersetzung des Antrags, ergänzt um eine einleitende Schilderung der Antragstellenden zur Entstehung und den Erfolgsbedingungen der Initiative, die in diesem Jahr auch auf nationaler Ebene bei der Gewerkschaft eingebracht werden soll.
Man übertreibt nicht, wenn man sagt, dass der Anstoß für viele unserer theoretischen und politischen Überlegungen vor geraumer Zeit aus Italien kam. Oder genauer: Vor 20 Jahren und von unserem Mitstreiter Marco Maurizi, der zuletzt auch Beiträge für »Hammel & Sittich« beigesteuert hat. Seine »Neun Thesen über Antispeziesismus«, 2005 zuerst veröffentlicht und im Kern eine historisch-materialistische Kritik des damaligen, primär moralphilosophisch angelegten Antispeziesismus, legten den Grundstein für unsere Bemühungen und ebneten vielen von uns den Weg in eine explizit marxistische Auseinandersetzung mit dem Mensch-Tier-Verhältnis. Dass sich seit der Erstveröffentlichung 2005 allerdings viel getan hat, liegt auf der Hand. Zum 20. Jubiläum des Erscheinens publizieren wir den Text hier erneut und haben Maurizi eingeladen, die seitherigen Entwicklungen der Bewegung und der theoretischen Debatte Revue passieren zu lassen. Wir freuen uns, dass er unsere Einladung angenommen hat.
Abschließend veröffentlichen wir den zweiten und letzten Teil von Matthias Rudes Auseinandersetzung mit Upton Sinclairs »The Jungle« anlässlich dessen 120. Jubiläums. Sinclairs Roman, seinerzeit eine beklemmend detailreiche Enthüllungsgeschichte aus den Schlachthöfen Chicagos, wurde erstmals 1905 veröffentlicht. Doch die gesellschaftlichen Bedingungen, die das damalige Massentöten in den Schlachthöfen und die rücksichtslose Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft hervorgebracht haben, sind keineswegs nur Gegenstand der historischen Rückschau. Sie existieren weiter, wie Rude zeigt, bloß verändert und in anderer Form. »Politik, die heute fortschrittlich sein will«, argumentiert Rude, muss »mehr wollen als nur die schlimmsten Auswüchse der Tierindustrie zu beschneiden. Wir brauchen einen grundlegenden Wandel – dringend.«
Wie immer wünschen wir eine anregende Lektüre und freuen uns über Rückmeldungen und Kritik ebenso wie über die Verbreitung der verschiedenen Beiträge!
Die Redaktion











